Halloween hat in Irland tief verwurzelte Ursprünge. Das Fest geht auf das keltische Samhain zurück, das vor über 2.000 Jahren den Übergang vom Sommer zum Winter markierte – eine Zeit, in der die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Geister besonders durchlässig galt. Um sich vor umherstreifenden Seelen zu schützen, entzündeten die Menschen große Feuer, verkleideten sich und erzählten Geschichten über das Übernatürliche – Bräuche, die bis heute in moderner Form weiterleben.
Heute verbindet Irland seine jahrtausendealten Rituale mit zeitgenössischer Kreativität: Von spektakulären Feuershows über Paraden und Musikfestivals bis hin zu kulinarischen Erlebnissen und Kunstperformances wird Halloween zu einem lebendigen Ausdruck der irischen Kultur. Das Land feiert damit nicht nur sein spirituelles Erbe, sondern auch die Vielfalt seiner Regionen und Gemeinschaften. Und in diesem Jahr kommt auch noch ein besonderes Jubiläum dazu: Das größte Halloween-Spektakel Europas in Derry~Londonderry wird 40. <.span>
Ob auf historischen Burgen, in mittelalterlichen Städten oder an der wilden Atlantikküste – wer Halloween in Irland erlebt, spürt den alten Geist des Samhain in einer neuen, faszinierenden Form: als Fest der Geschichten, des Lichts und der Begegnung.
Raben, Rotkehlchen, Reiter ohne Kopf: Irlands tierische Geisterboten

Frankfurt am Main, 14.10.2026 – Geschichten erzählen, das liegt den Iren im Blut. Seit zahlreichen Generationen werden diese weitergetragen, wobei viele bis in die keltische Vergangenheit zurückreichen, also weit über 2.000 Jahre. Kaum ein Fest passt daher besser zur irischen Erzähltradition als Halloween, dessen Wurzeln doch auf der grünen Insel liegen. Das keltische Samhain markierte einst das Ende der Ernte und den Beginn des Winters. In der Nacht zum 1. November, so glaubte man, wurde die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Anderswelt (Tír na nÓg) durchlässig. Verstorbene, Feenwesen und andere übernatürliche Gestalten konnten da unterwegs sein, weshalb sich Verkleidungen, Feuer und Wahrsagerei als Rituale etablierten. Später verband sich Samhain mit dem christlichen All Hallows’ Eve, dem Vorabend von Allerheiligen, und daraus entwickelte sich Halloween.
Ein Pferd, ein kopfloser Reiter und eine schreiende Frau
Zu den bekanntesten Figuren zählt der Púca, ein geheimnisvoller Gestaltwandler, der als Ziege, Esel, Vogel oder, besonders berüchtigt, als Pferd auftaucht. Wer dann noch des Nachts auf seinen Rücken steigt, muss mit einem wilden Ritt rechnen. So oder so ist die mal als bösartig, mal als beschützend beschriebene Erscheinung eng mit Samhain verbunden und verleiht zudem einem der bedeutendsten Halloween-Festivals der Insel seinen Namen. Klar, dass beim Púca Festival in Trim im County Meath irische Geschichten, Musik und mystische Rituale im Mittelpunkt stehen! Auch andere Schauplätze machen aus der alten Mythologie ein Erlebnis. Im Dubliner EPIC Museum erzählt die „Origins of Halloween Tour“ von der Entwicklung Samhains zum heutigen Fest und beim „Derry Halloween“ in Nordirland – Untertitel „Europas größtes Halloweenfest“ – wird die Tradition mit großen Umzügen und modernen Inszenierungen gefeiert. Der 40-Jahre-Jubiläumstermin lautet: 26. Oktober bis 1. November 2026.
Ob in Aufführungen, Liedern oder auf Postern: Ein wiederkehrender Geselle ist dabei der Dullahan. Auf einem schwarzen Pferd galoppiert er durch die Nacht, den eigenen Kopf unter dem Arm, alternativ lenkt er einen Leichenwagen und benutzt dabei eine menschliche Wirbelsäule als Peitsche. Ein über Jahrtausende hinweg erzählter Verhaltenstipp für den Fall, dass man dem Todesboten in der Halloween-Nacht begegnet, lautet: nicht anblicken und ihm ein Stück Gold (das man also stets mit sich führen sollte) entgegenstrecken. Dann würde er von seinem Plan, die Seele eines armen Tropfs zu holen, absehen und fliehen.
In der obersten Liga der irischen Folklore spielt auch die Banshee – abgeleitet von den irischen Wörtern „bean“ für „Frau“ und „sí“ für „Feen“. Ihr Auftreten soll ebenfalls den Tod eines Menschen ankündigen, für Gänsehaut sorgen vor allem ihre durchdringende Schreie. Hirngespinste? Nun, selbst im heutigen Irland berichten Menschen davon, die Banshee gehört zu haben, kurz bevor sie vom Tod eines Angehörigen erfuhren.
Wo die Anderswelt zum Ausflugsziel wird
Wer solche Geschichten nicht nur lesen und hören, sondern an ihren Schauplätzen erleben möchte, findet auf der ganzen Insel Möglichkeiten, etwa im Rathcroghan Visitor Centre im County Roscommon. Es liegt inmitten einer bedeutenden archäologischen Stätte, der 5.000 Jahre alten Hauptstadt der einstigen Provinz Connacht. Bei Rundgängen begeben sich Gäste auch auf eine Reise in die mythologische Welt der Kriegerkönigin Medb (Maeve) sowie anderer legendärer Figuren. Und die unweit entfernte „Höhle der Katzen“, Oweynagat, gilt als – gerade rund um Samhain angeblich gern frequentiertes – Tor zur Anderswelt. Wer traut sich, die Höhle zu betreten?
Als wichtiger Schauplatz in Nordirland fungiert das Navan Centre & Fort bei Armagh. Es beleuchtet Mythen und Realität rund um eine der bedeutendsten archäologischen Stätten Irlands: Emain Macha, einst Sitz der alten Könige und Königinnen von Ulster. Hier erfahren Besucher mehr über Macha, die Göttin des Krieges und der Fruchtbarkeit, sowie über den Helden Cú Chulainn, der dort seine Festung errichtete. Besonders in den Tagen um Halloween wird aus dem historischen Ort eine Bühne für alte Samhain-Traditionen.
Noch stärker in den Alltag früherer Generationen führt das Ulster Folk Museum im County Down. Das Freilichtmuseum zeigt historische Häuser, Werkstätten und Lebensweisen aus Ulster. Ende Oktober geht es dort, na klar, um traditionelle Bräuche, Masken, Spiele und Geschichten mit Samhain-Bezug. Dort erfährt man etwa, dass die ursprüngliche Halloween-Laterne nicht aus einem Kürbis, sondern aus einer Rübe geschnitzt wurde. Aha!
Wenn Tiere die Botschaft überbringen
In Irlands Geschichten spielen auch Tiere eine wichtige Rolle. Das Pferd steht dabei gleich mehrfach im Mittelpunkt: als Gestalt des Púca, als Reittier des Dullahan und überhaupt als klassisches Tier der Anderswelt. Das macht auch das Connemara-Pony zu einem charmanten Verwandten der irischen Geistergeschichten. Die robuste heimische Rasse ist tief mit der gleichnamigen Moorlandschaft bei Galway verbunden, ihre eigene Geschichte steckt voller Legenden und Erzählungen. Welche genau, das erzählt in Clifden eine kleine Ausstellung im Station House Museum. Ein weiteres Tier mit Anderswelt-Connect, der Irische Wolfshund, wird in einem Extrakasten thematisiert (siehe unten).
Noch geheimnisvoller wird es bei Raben und Krähen. In alten Erzählungen sitzen Krähen vor Fenstern, folgen einsamen Wanderern oder tauchen dort auf, wo die Grenze zur Anderswelt besonders dünn sein soll: an alten Ringforts, Hügelgräbern, Mooren oder Ruinen. Ein einzelner Rabe kann dabei als Warnung gelten, mehrere schwarze Vögel als schlechtes Omen. Besonders rund um Samhain, wenn nach altem Glauben die Welten einander näherkommen, passen sie perfekt in die irische Geisterkulisse.
Faszinierende Vögel mit Hintergrund
Lautloser Flug, nächtliche Lebensweise, große Augen und ein Ruf, der aus der Dunkelheit kommt: Auch Eulen wirken wie geschaffen für diese Rolle. Wobei sich die Greifvögel auch wunderbar aus der Nähe erleben lassen. Im Parknasilla Resort im County Kerry etwa werden beim „Meet the Owls“ mit dem Falkner Andy Eulen und Falken vorgestellt, welche die Besucher sogar auf dem Falknerhandschuh halten können. Begegnungen mit Eulen und Co. bieten auch das National Bird of Prey Centre bei Russborough House, Falconry Kerry bei Killarney oder Mayfield Birds of Prey bei Waterford. Das imposante Hotel Mount Falcon trägt das erhabene Tier sogar im Namen.
Überhaupt werden in der irischen Volksüberlieferung Vögel bisweilen mit Verstorbenen oder mit der Seele eines Menschen verbunden. Der Spruch „A robin appears when a loved one is near“ spricht diese Fähigkeit auch den eher unscheinbaren Rotkehlchen, im Englischen robin, zu. Woher das rühren könnte? Vielleicht, weil der schöne Singvogel auffallend wenig scheut und selbst im Winter in Gärten und an Häusern auftaucht und gern auch rund um Halloween. Jener Zeit also, wo die Grenze zwischen Geschichte und Geschichten eben besonders durchlässig ist. Vor allem in Irland.
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Hintergrund I: Abhartach – Vampir, made in Ireland
Mit Púca, Dullahan und Banshee ist in der irischen Sagenwelt noch lange nicht Schluss. Da gibt es etwa noch den Abhartach, eine uralte irische, vampirähnliche Gestalt, die mit dem County Derry in Verbindung gebracht wird. Der Legende nach kehrte der böse irische Häuptling, nachdem er tödlich verunglückt und beerdigt worden war, ins Leben zurück und trachtete nach dem Blut der Einheimischen. Trotz mehrerer Versuche, ihn zu töten, erhob sich der Abhartach immer wieder aus seinem Grab. Schließlich wurde er vernichtet, indem man ihm ein Schwert aus Eibenholz durch das Herz stieß; zudem wurde er kopfüber begraben. Die Ähnlichkeiten zu europäischen Vampirgeschichten jedenfalls sind augenscheinlich, nur dass die irischen Erzählungen viele Jahrhunderte älter sind…
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Hintergrund II: Irish Wolfhound – Geisterhund und Wächter
Der Irische Wolfshund ist tief mit der irischen Sagenwelt verwoben. Seine Größe und sein ruhiges Wesen machten ihn geradezu zum idealen Hund für Geschichten über Schutzgeister und die Anderswelt. Die berühmteste Verbindung führt zu Cú Chulainn: Der junge Setanta tötete den Wolfshund des Herrschers Culann und übernahm dessen Platz als Wächter. Fortan trug er den Namen Cú Chulainn, „Hund des Culann“. In irischen Erzählungen taucht der Irish Wolfhound auch als Geisterhund auf: riesig, manchmal weiß oder grau, lautlos und gelegentlich mit leuchtenden Augen. Er soll Wege, Ruinen oder Hausportale bewachen und Wanderer ein Stück begleiten, bevor er spurlos verschwindet. Nicht unbedingt als bedrohliche Erscheinung, sondern als Schutzgeist. Auch als Wächter der Anderswelt kommt er in den Geschichten vor, etwa an heiligen Orten oder den Zugängen zu Feenhügeln. Am Ben Bulben im County Sligo ranken sich ebenfalls Legenden um einen geheimnisvollen Wolfshund, der nachts die Berghänge bewachen soll.
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Wenn Sie mehr über Irland erfahren möchten, hören Sie doch einfach mal rein in die Podcasts von Tourism Ireland.
Links:
https://www.ireland.com/de-de/things-to-do/themes/culture/halloween-in-ireland/
https://epicchq.com/event/the-irish-origins-of-halloween
https://www.ireland.com/de-de/destinations/experiences/northern-ireland/
https://visitarmagh.com/places-to-explore/navan-centre-fort
https://www.ireland.com/de-de/magazine/equestrian/the-connemara-pony/
https://www.ireland.com/de-de/destinations/county/galway/galway-city/
https://www.ireland.com/de-de/destinations/county/galway/clifden/
https://connemara.net/the-station-house-museum
https://parknasillaresort.com/de_de/activities/curated-experiences/meet-the-owls
https://nationalbirdofpreycentre.ie
https://www.mountfalcon.com/see-and-do-estate-activities-falconry.html
https://www.ireland.com/de-de/plan-your-trip/trip-ideas/derry-londonderry/
https://www.ireland.com/de-de/destinations/regions/ben-bulben/
Schlagwörter: Irland | Nordirland | Halloween | Samhain | Magie | Wolfshunde | Púca | Connemara-Ponys | Eulen | Rotkehlchen | Krähen | Raben
(14.10.2026-ch)
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