Per E-Bike durchs County Tipperary: Auf den Spuren von Shane MacGowan
Eine neue Rad-Rundtour führt zu den wichtigen Wirkungsstätten des Sängers der weltberühmten Band The Pogues – inklusive XXL-Murals in Nenagh.

Frankfurt am Main, 15.7.2026 – Ist der Lough Derg ein See? Eindeutig, er ist sogar Irlands drittgrößter. Er ist aber auch ein Fluss. Nämlich ein, wenn auch sehr breiter Abschnitt des Shannon. Er fließt bei Portumna in den See hinein und verlässt ihn 35 Kilometer weiter südlich bei Killaloe wieder, um weiter Richtung Limerick und Atlantik zu ziehen. Nicht nur wegen dieser „Wandlungsfähigkeit“ wurde der Shannon seit Generationen in Geschichten und Liedern verewigt. Eines der bekanntesten heißt „The Broad Majestic Shannon“ und stammt aus der Feder von Shane MacGowan, dem Sänger der Pogues. Darin geht es um Heimat, Erinnerung und Orte, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken, so wie die „row boats landing by the broad majestic Shannon“.
An anderer Stelle heißt es:
„I sat for a while at the Cross of Finnoe.
Where the young lovers would meet when the flowers were in bloom.“
Die Cross of Finnoe: eine Kreuzung mit einem großen Stein, auf dem man sitzen kann. Auch zu zweit, gar zu dritt. Eigentlich nichts Besonderes. Solche Treffpunkte ohne Konsumzwang gibt es in Irland zuhauf. Durch die Erwähnung in dem bekannten Song bekommt dieser unscheinbare Ort aber plötzlich Bedeutung. Schließlich gilt MacGowan als einer der wichtigsten irischen Künstler der vergangenen Jahrzehnte. Als Gründer und Sänger der Pogues wurde er in den 1980er- und 1990er-Jahren weltberühmt. Songs wie „Dirty Old Town“, „Fairytale of New York“ und eine Neuauflage von „The Irish Rover“ sind Meilensteine der Musikgeschichte.
Als die traditionelle Folk-Musik modern wurde
MacGowans eigentliches Verdienst aber ist, der irischen Folkmusik einen völlig neuen Twist verpasst zu haben: rebellisch, laut, punkig. Mit Tin Whistle, Banjo, Akkordeon und Fiddle neben E-Gitarren schufen die Pogues einen unverwechselbaren Sound und machten irische Musik auch für ein junges internationales Publikum attraktiv. Kurz: Wenngleich in London von Kindern irischer Einwanderer gegründet, gelten The Pogues bis heute als DIE Irish-Punk-Band schlechthin. Und MacGowan als ihr Aushängeschild, dank seiner rauen Stimme, seinem poetischen Chaos und seinem exzessiven Lebensstil, der ebenso legendär wie zerstörerisch war. Im November 2023 starb er im Alter von 65 Jahren an einer Lungenentzündung.

Mit dem Fahrrad durch MacGowans Welt
Keine drei Jahre später nun widmet ihm seine alte Wahlheimat, das County Tipperary am Ostufer des Lough Derg respektive Shannon, eine eigene Route. Auf 62 Kilometer Länge verbindet sie wichtige Stationen aus dem Leben des Mannes, der hier als Kind regelmäßig seine Sommerferien bei Onkel und Tante verbrachte und als Erwachsener zurückkehrte, um hier zu leben.
Wie erschließt man sich nun die unter dem Motto „Unravelling Shane MacGowan“ stehende Runde am besten? Möglich sind mehrere Optionen: individuell mit dem Auto, zu Fuß oder per Bus, werden doch jeden zweiten Samstag im Sommerhalbjahr organisierte Touren angeboten. Am schönsten aber ist es auf zwei Rädern. Rob Queen, Gründer von Lough Derg E-Bike Tours, bietet dazu geführte Touren an. Startpunkte sind Nenagh und – in kürzeren Versionen – Dromineer oder Terryglass am Lough Derg. Egal, wo man startet: Kleine Gruppen mit maximal sechs Teilnehmern schwingen sich auf die bereitgestellten E-Bikes, erhalten von Discover Lough Derg in Zusammenarbeit mit MacGowans Schwester Siobhan und seiner Witwe Victoria Mary Clarke hübsch gestaltete Faltbroschüren mit den MacGowan-Stationen – und los geht’s.
Die Fahrradhelme, Robs Sicherheitsweste und die Ansage, immer schön hintereinander (und natürlich links) hinter ihm herzufahren, hätte der alles andere als sicherheitsbewusste MacGowan vermutlich nicht ernst genommen. Bei der Motorunterstützung der E-Bikes hingegen wäre er womöglich begeistert gewesen. Denn durch die sanft hügelige Landschaft geht es erstaunlich oft rauf und runter. Dank des eingebauten Rückenwinds lässt sich die Umgebung da einfacher entspannter wahrnehmen: die alten Steinmauern, die Kühe auf den Weiden, kleine Mühlen, entzückende Häuser und natürlich die zahlreichen MacGowan-Stationen entlang der Route, etwa die Cross of Finnoe.
Friedhof, Pub, Konzertlocation
Dazu erzählt Rob persönliche Anekdoten, während zusätzliche Informationen über die auf Tafeln angebrachten QR-Codes abrufbar sind. Etwa beim Cloughprior Cemetery, wo Klein-Shane sich angesichts der Jahreszahlen auf den Grabsteinen oft fragte, warum so viele Kinder so früh starben. Oder in Borrisokane, wo die mit 33 Kilometern kürzeste Rundtour beginnt. Oder beim abgelegenen Pub „John Ryan’s“ in Carney, wo MacGowan als Jugendlicher und junger Erwachsener gerne Zeit verbrachte. Der Ort Puckane wiederum wurde übrigens deshalb berühmt, weil dort die mittlerweile gehypten Pogues 1986 ein Heimatkonzert spielten. Die Folge: Hunderte Fans sorgten dafür, dass der Saal aus allen Nähten platzte.
Von einem solchen Andrang kann heute keine Rede sein – und das ist gut so. Die Gegend ist im besten Sinne unaufgeregt. Hier ein leicht zugewachsener Zugang zum See, an dem (wie im Shannon-Song beschrieben) Ruderboote liegen, dort ein einzelnes Gehöft, eine schmale Straße, ein weiter Blick.

In Nenagh kommt MacGowan groß raus
Der Hof, auf dem MacGowan als Kind viel Zeit verbrachte, gehört nicht zur Route, nicht einmal der genaue Standort wird verraten. Dafür sind die drei Murals in Nenagh, dem mit knapp 10.000 Einwohnern größten Ort der Region, für jeden sichtbar. Trefflich diskutieren lässt sich, welches besser gelungen ist: das größere Wandbild, das den älteren Shane zeigt, oder jenes an der Wand des „Philly Ryan’s Pub“, das ihn in jüngeren Jahren mit all seinen markanten Zügen, allen voran den schiefen Zähnen und den abstehenden Ohren, einfängt. Ein drittes kam 2025 hinzu, es zeigt die Schlussszene aus dem Shannon-Lied: die Ruderboote.
Der vielleicht schönste Ort der Route aber ist Kilbarron. Die kleine Plaza hat sich, auch mangels eines klassischen Pilgerortes – MacGowan wurde eingeäschert – zu einem Treffpunkt für echte Fans entwickelt. Unter den noch jungen Bäumen können sie auf Steinen sitzen und auf eine mannshohe Steintafel mit dem vollständigen Text von „The Broad Majestic Shannon“ schauen. Viel besser jedenfalls als eine Statue. Die hätte MacGowan sicher gar nicht gefallen, dafür war er viel zu bescheiden und bodenständig.
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Der besondere Tipp: Dromineer und Holy Island
Mit der Ortschaft Dromineer und Holy Island liegen am und im Lough Derg zwei besondere Reiseziele, die Natur, Geschichte und irische Kultur verbinden. Dromineer gilt als eines der schönsten Seedörfer der Region. Das liegt an seinem netten Ambiente, der coolen Sauna am Strand und dem kleinen Hafen, der als Ausgangspunkt für Bootstouren, Hausbooturlauben, Kajakfahrten und weitere Erkundungen auf dem Wasser fungiert. Welches Gefährt auch immer gewählt wird, ein Top-Ziel stellt Holy Island dar, die „heilige Insel“ nahe Mountshannon. Die frühchristliche Klosterstätte mit ihren Rundtürmen, Kirchenruinen und kunstvoll verzierten Hochkreuzen zählt zu den bedeutendsten historischen Orten Irlands. Einst ein Zentrum des Lernens und der Spiritualität, beeindruckt die Insel heute vor allem durch ihre stille, fast mystische Ausstrahlung. Dazu bietet das Besucherzentrum in Mountshannon hervorragende Einblicke in die Geschichte der Region und von Holy Island. Von hier starten auch die öffentlichen Touren auf die Insel.
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Hintergrund: Filmtipp „Crock of Gold“
Ein irischer Punk-Poet, ein legendärer Filmemacher und ein prominenter Freund als Produzent: „Crock of Gold – A Few Rounds with Shane MacGowan“ aus dem Jahr 2020 erzählt die wilde Lebensgeschichte des Pogues-Sängers. Regisseur Julien Temple begleitet MacGowan von seiner Kindheit in Tipperary über die Gründung der Folk-Punk-Band bis zum Status als Musiklegende. Das Besondere: Der Film lässt MacGowan selbst ausführlich erzählen – mit schwarzem Humor, Selbstironie und jener poetischen Kraft, die auch seine Songtexte prägt. Seltene Archivaufnahmen, Interviews mit Freunden und Familie sowie die skurrilen Animationen von Ralph Steadman machen die Doku zu weit mehr als einer klassischen Musikerbiografie. Johnny Depp, lange mit MacGowan befreundet, war als Produzent beteiligt und verleiht dem Film eine persönliche Note. Was auch gezeigt wird: MacGowans krasse Alkohol- und Drogensucht. Zu sehen ist die Doku unter dem deutschen Titel „Mein Leben mit den Pogues“ derzeit unter anderem zum Leihen oder Kaufen bei Plattformen wie Amazon Video, Apple TV und MagentaTV.
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Wenn Sie mehr über Irland erfahren möchten, hören Sie doch einfach mal rein in die Podcasts von Tourism Ireland.
Links:
https://www.ireland.com/de-de/plan-your-trip/trip-ideas/midlands-from-shannon/
https://loughdergebiketours.ie/bike/unravelling-shane-macgowan
https://loughdergebiketours.ie/
https://www.imdb.com/title/tt11778272/
Schlagwörter: Irland | Musik | The Pogues | Shane MacGowan | Rad | E-Bike | Tipperary | Nenagh | Mural | Lough Derg
(15.07.2026-ch)
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